Online-Lexikon Ausländer - Fremdenfeindlichkeit - Extremismus
Einwanderung
Siehe auch:
Bevölkerungsentwicklung
| Wanderungsbilanz
Unter Einwanderung versteht man im Allgemeinen den erwünschten und kontrollierten, von vornherein auf einen unbegrenzten Aufenthalt und Einbürgerung angelegten Zuzug von Angehörigen anderer Nationen. Klassische Einwanderungsländer z.B. die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada und Australien. Eine staatliche Einwanderungspolitik macht es dort möglich, den Zuzug nach den Bedürfnisses des Einwanderungslandes hinsichtlich soziodemografischer Kriterien (Beruf, Bildung, Vermögen) und ethnischer Zugehörigkeit zu selektieren.
Ungesteuerte Einwanderung
Die Einwanderung nach Deutschland vollzieht sich dagegen bisher weitgehend ungesteuert. Zurzeit ist sie legal nur über den Familiennachzug nach §19 AuslG und über das Asylverfahren möglich. Dennoch sind seit Mitte der 50er-Jahre über 30 Millionen Menschen gekommen. Sie und ihre Kinder haben geholfen, einen gravierenden Bevölkerungsrückgang zu verhindern.
So ist Deutschland faktisch seit langem zum Einwanderungsland geworden. Das zeigt sich auch an einer im Einwanderungsprozess wirksamen Gesetzgebung, so dass die Verwaltungspraxis in vielem der von Einwanderungsländern ähnlich ist. Es fehlt allerdings an einer Gesamtgesetzgebung und einem Steuerungskonzept.
Bisher versteht sich die Bundesrepublik ausdrücklich nicht als Einwanderungs-
land. Immer noch rührt der Gebrauch des Begriffs an ein Tabu. Deshalb ist auch in der politischen Diskussion über die Steuerung der Einwanderung von einen "Zuwanderungsgesetz" die Rede - nicht von einem Einwanderungsgesetz.
Ablehnung bei den Deutschen
Im Frühjahr 2000 standen nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach 71 Prozent der befragten Deutschen der Entwicklung zum Einwanderungsland kritisch gegenüber, 77 Prozent vertraten die Meinung, mit der derzeitigen Zuwanderung sei die Grenze der Aufnahmefähigkeit erreicht. Verbände der Wirtschaft weisen dagegen derzeit häufig auf einen wachsenden Fachkräftemangel in verschiedenen Branchen hin und fordern eine Lockerung der Zuzugsbestimmungen.
Green-Card
Die Green-Card-Initiative von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Februar 2000 hat so etwas wie eine Wende in der Zuwanderungsdiskussion bewirkt. Die Entscheidung, Computerspezialisten eine zeitlich begrenzte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Deutschland zu gewähren, führte dazu, dass über Einwanderung nicht mehr nur als Belastung, sondern auch als Chance diskutiert wurde. Bayern führte als Antwort darauf eine Blue Card ein, die es bayerischen Unternehmen erleichtern soll, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Hessen und Niedersachsen schlossen sich dieser Initiative an. Daraus entstand der Anstoss für eine gesetzliche Regelung der Zuwanderung.
Zitat:
"Wer postuliert, Deutschland sei Einwanderungsland, muss auch die restriktive Seite der Immigrationspolitik akzeptieren. Quotierung soll die bestehende Auswanderungsnachfrage mit dem bestehenden Einwanderungsangebot vereinbaren und den Prozess der Zuwanderung in prognostizierbarer und praktikabler Weise organisieren. Einwanderungspolitik ist insofern eine 'schmutzige', aber begründbare Kompromisslösung zwischen den unerreichbaren Idealen globaler Freizügigkeit und totaler nationaler Abschottung - zwischen 'offenen Grenzen' und 'vollem Boot' sozusagen." (Claus Leggewie, Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen)
Das Zuwanderungsgesetz in Grundzügen
Für Arbeitnehmer werden neue Arten von Zuwanderungsmöglichkeiten eröffnet: Die Zuwanderung im Regelverfahren ist offen und flexibel. Sie eröffnet den Arbeitsämtern Steuerungsmöglichkeiten. Die Vorrangprüfung durch die Arbeitsverwaltung wird einfacher und soll sich stärker als bisher an den regionalen Besonderheiten orientieren. Die bei den Arbeitsämtern bestehenden Verwaltungsausschüsse können künftig eine Empfehlung für die Besetzung eines Arbeitsplatzes mit einem Ausländer abgeben.
Die Ausländerbehörde erteilt die Arbeitsgenehmigung wird zugleich mit der Aufenthaltserlaubnis, sofern die Arbeitsverwaltung zugestimmt hat (one-stop-government). Das doppelte Genehmigungsverfahren (Arbeit/Aufenthalt) wird damit durch ein internes Zustimmungsverfahren ersetzt. Dem Betroffenen bleiben doppelte Anträge und Behördengänge erspart.
Hochqualifizierten (z.B. Ingenieure, Informatiker, Mathematiker, Führungspersonal in Wissenschaft und Forschung) kann von Anfang an ein Daueraufenthalt gewährt werden.
Ausländischen Studienabsolventen wird nach Zustimmung durch die Arbeitsverwaltung die Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme eingeräumt. Sie sollen darüber hinaus eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr zur Arbeitsplatzsuche erhalten können. So soll verhindert werden, dass in Deutschland gut ausgebildete Fachkräfte, die dringend benötigt werden, in andere Industrieländer abwandern. Bislang müssen sie nach ihrem Abschluss Deutschland verlassen.
Zwischen 1954 und 1999 sind 30,4 Millionen Menschen in die Bundesrepublik gekommen. Die Mehrzahl - 29,7 Millionen - waren Ausländer, darunter 2,8 Millionen Asylbewerber und Flüchtlinge. Seit 1960 gab es - von wenigen Jahren abgesehen - stets einen erheblichen Wanderungsüberschuss. Er machte bei den Ausländern 6,7 Millionen Menschen aus. Hinzukam ein Wanderungsgewinn von 2,4 Millionen Deutschen (überwiegend Aussiedler).
Zwischen 1991 und 2001 kamen 8,6 Mill. Ausländerinnen und Ausländer mit dem Ziel eines nicht nur kurzfristigen Aufenthaltes nach Deutschland, darunter suchten knapp 1,9 Mill. - das sind rund 22 Prozent - um Asyl nach. Im gleichen Zeitraum verließen 6,5 Mill. ausländische Personen Deutschland wieder, so dass sich für den gesamten Zeitraum ein Wanderungsüberschuss von 2,2 Mill. nichtdeutschen Personen ergibt.
Die höchsten Zuwanderungsüberschüsse resultieren aus den Zu- und Fortzügen von und nach Jugoslawien (Serbien/Montenegro) mit 407 000 Personen, aus und in die Türkei mit 233 000 Personen sowie aus und in die Russische Föderation mit 188 000 Personen. Der Zuwanderungsüberschuss aus der Russischen Föderation geht vor allem auf die Einreise jüdischer Emigranten zurück.
Recherchehinweise zum Thema:
Bundesministerium des Innern, Alt-Moabit 101D, 11014 Berlin, Telefon 01888 681-0, Fax: 01888 681-2926, E-mail:
poststelle@bundesinnenministerium.de, Internet:
http://www.bmi.bund.de/
Statistisches Bundesamt, Hermann Voit, Telefon 0611 - 75-2116, E-Mail:
hermann.voit@destatis.de
CDU-Bundesgeschäftsstelle, Hauptabteilung Medien und Öffentlichkeitsarbeit, Klingelhöferstraße 8, 10785 Berlin, Telefon: 030-220700, Fax 030-220 70 -111, E-Mail:
post@cdu.de
CSU, Nymphenburger Straße 64-66, 80335 München, Telefon 089-1243-0, Fax 089-1243-274
SPD-Parteivorstand, Willy-Brandt-Haus, 10911 Berlin, Wilhelmstr. 141, 10963 Berlin, Telefon 030-259910, Fax 030-25991-297, E-Mail:
parteivorstand@spd.de
FDP, Reinhardstr. 14, 10117 Berlin, Telefon 0228-2849580, Fax 030-547-298, E-Mail:
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BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bundesvorstand, Platz vor dem Neuen Tor 1, 10115 Berlin, Telefon 030-28442 131/ 134, Fax 030-28442 234, E-Mail:
presse@gruene.de
Parteivorstand der PDS, Kleine Alexanderstraße 28, 10178 Berlin,
parteivorstand@pds-online.de
Literaturhinweise zum Thema:
Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bundesverband e.V.: Sozialbericht 2002. Die Einwanderungsgesellschaft. Forderungen an das Jahrzehnt der Integration. 2002, Bonn. Preis: 5,10 Euro. Bestellung per Tel.: (0228) 668 5153 oder E-Mail:
vog@awobu.awo.org
Doris Dickel: Einwanderungs- und Asylpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreichs und der Bundesrepublik Deutschland. Eine vergleichende Studie der 1980er und 1990er Jahre. 2002, Opladen, Leske+Budrich, ISBN: 3-8100-3654-4
Edda Currle, Tanja Wunderlich (Hrsg.): Deutschland - ein Einwanderungsland? Rückblick, Bilanz und neue Fragen, Stuttgart 2001
Klaus J. Bade / Rainer Münz (Hrsg.): Migrationsreport 2000. Fakten - Analysen - Perspektiven, Frankfurt 2000.
Beate Winkler (Hrsg.): Zukunftsangst Einwanderung. 3. akt. Ausgabe München 1993
Rittstieg, H. / Rowe, G.C.: Einwanderung als gesellschaftliche Herausforderung. Baden-Baden 1992
Hans Magnus Enzensberger: Die große Wanderung. Frankfurt/M 1992
Günter Buttler: Der gefährdete Wohlstand. Deutschlands Wirtschaft braucht Einwanderer. Frankfurt/M 1992
Der Ausländerbeauftragte des Landes Niedersachsen (Hrsg.): Migration - Einwanderungspolitik - Ziviler Umgang mit ethnischen Minderheiten. 3. Niedersachsenforum. Kongressdokumentation. Hannover 1993
Ulrike Schöneberg: Gestern Gastarbeiter, morgen Minderheit. Zur sozialen Integration von Einwanderern in einem "unerklärten" Einwanderungsland. Frankfurt/M 1993