www.initiative-tageszeitung.de

Online-Lexikon Ausländer - Fremdenfeindlichkeit - Extremismus



Bevölkerungsentwicklung

Der Zuzug von Ausländern halten Bevölkerungswissenschaftler und viele Wirtschaftsexperten für notwendig. Nur so ist ein noch schnelleres Absinken der Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland zu verhindern, deren wirtschaftliche und soziale Konsequenzen katastrophal sein könnten.

Die längerfristige demographische Entwicklung in Deutschland ist bekannt: die Einwohnerzahl sinkt, der Altersdurchschnitt steigt. Deutlich zeigt sich dies in der Geburtenentwicklung. Von 1949 bis 1967 lag die Geburtenzahl zwischen 800 000 und knapp über einer Million. 1967 gab es 1 019 459 Kinder - 972 027 deutscher und 47 432 ausländischer Staatsangehörigkeit (Ausländeranteil 4,7 Prozent). Seit Anfang der 70er Jahre stammen 10 bis 15 % aller in Deutschland geborenen Kinder von Migranteneltern. 1998 waren es rund 100 100, was einem Ausländeranteil von 12,7 Prozent entspricht.

Ein Sinken der Einwohnerzahl an sich wäre nicht tragisch, wohl aber die damit verbundene Veränderung der Alterszusammensetzung. Die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, die die Behörde Anfang Juni 2003 veröffentlicht hat, sagt dazu:

Die Bevölkerung Deutschlands wird in den kommenden Jahrzehnten schrumpfen und altern. In der Variante 1 (bei niedriger Zuwanderung und geringster Zunahme der Lebenserwartung) werden im Jahr 2050 rund 67 Millionen Menschen in Deutschland leben (heute sind es 82,5 Mio.). In der mittleren und wahrscheinlichsten Variante würde die Bevölkerung Deutschlands wieder den Stand von Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erreichen: 75 Mio. Einwohner. Allerdings wird dann die Hälfte dieser Einwohner älter als 48 Jahre sein, ein Drittel 60 Jahre oder älter. Besonders stark wird die Gruppe der über 80-Jährigen wachsen: von heute 3,2 Mio. Menschen auf 9,1 Mio. im Jahre 2050.

Wie sehr diese Entwicklung die sozialen Sicherungssysteme belasten wird, zeigt der so genannte Altenquotient. Heute kommen 44 Personen im Alter von 60 und darüber (in der Regel nicht mehr erwerbtätig) auf 100 Personen im Alter von 20-59, die das Geld in die Sozialsysteme einzahlen. Bis zum Jahr 2050 wird das Verhältnis auf 78 zu 100 steigen. In der Berechnungsvariante 3 (höherer Anstieg der Lebenserwartung und geringere Wanderungsgewinne) wäre 2050 sogar ein Altenquotient von 88 möglich.

Diese Relation von Beitragszahlern und Leistungsempfängern muss die gesetzliche Rentenversicherung verändern. Aber nicht nur umlagefinanzierte Formen der Alterssicherung sind betroffen, sondern auch kapitalstockfinanzierte Formen. Unterstellt man, dass überwiegend jüngere Menschen als Käufer von Wertpapieren zur Alterssicherung auftreten und ältere Menschen diese wieder verkaufen, dann wird ein demographischer Wandel dieser Größenordnung Folgen haben: es gibt viele Verkäufer und wenig Kaufinteressanten auf dem Kapitalmarkt.

Zahlen zum Thema:
Das Geburtendefizit betrug 2002 in Deutschland 120.000 Personen (2001: 90.000). Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 725.000 Kinder geboren, 5.000 (0,7%) weniger als 2001. Die Zahl der Geburten geht seit 1991, mit Ausnahme der Jahre 1996 und 1997, zurück. Allerdings hat sich die Abnahme abgeschwächt: Von 2000 auf 2001 hatte der Rückgang etwa 4% betragen. Auch die Zahl der Sterbefälle war von 1993 bis 2001 ständig zurückgegangen. Mit rund 845.000 Gestorbenen ist dagegen für das Jahr 2002 eine Zunahme um 24.000 bzw. 2,9% zu verzeichnen.

Recherchehinweise zum Thema:
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Gustav-Stresemann-Ring 6, 65189 Wiesbaden, Hans-Peter Bosse, Telefon 0611-75-2358 und Bettina Sommer, Telefon 0611-75-2708
Deutsche Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft e.V., Gustav-Stresemann-Ring 6, 65189 Wiesbaden, Telefon 0611-75-2599
Institut für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik IBS, Universität Bielefeld, Postfach 10 01 31, 33501 Bielefeld, Telefon 0521-106-5162, Fax 0521-106-6009, E-Mail: webmaster@health.ibs.uni-bielefeld.de, Internet: http://www.ibs.uni-bielefeld.de
Landeszentrum für Zuwanderung Nordrhein-Westfalen LZZ, Kelderstraße 6, Cityturm, 42697 Solingen, Telefon 0212-23239-0, Fax 0212-23239-18, E-Mail: lzz-nrw@lzz-nrw.de, Internet: http://www.lzz-nrw.de

Literaturhinweise zum Thema:
Weltbevölkerungsbericht 1989. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Bonn 1989
Horst Claus Recktenwald (Hrsg.): Der Rückgang der Geburten - Folgen auf längere Sicht. Mainz 1989
Roland Tichy: Ausländer rein. München: 3.überarb. Auflage 1993