Online-Lexikon Ausländer - Fremdenfeindlichkeit - Extremismus
Afrikaner
Sowenig wie es „den Europäer“ gibt, gibt es „den Afrikaner“. Zwei fast gleich große Gruppen sind zu unterscheiden: Fast die Hälfte der in Deutschland lebenden Afrikaner stammt aus Marokko, Tunesien, Algerien und Ägypten (140 000 Migranten); es sind mehrheitlich Muslime. Die Menschen aus Zentral- und Südafrika sind dagegen Christen oder gehören Naturreligionen an. Die kulturellen Unterschiede sind beträchtlich.
Die Marokkaner und Tunesier sind vor allem aus ökonomischen Motiven nach Deutschland gekommen. Mit diesen Ländern hatte die Bundesrepublik Deutschland Anwerbeabkommen abgeschlossen. Demgegenüber haben Nigerianer, Liberianer, Algerier und andere Nationalitäten mehrheitlich als Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland Aufnahme gefunden. Auch die Bildungs- und Fachkräftemigration ist bedeutsam, hier sind vor allem die Ghanaer zu nennen.
Schwarzafrikaner sind – abgesehen von den afrikanischen Studenten – in relativ geringer Zahl nach Deutschland gekommen, und zwar fast ausschließlich als Flüchtlinge. In der DDR arbeiteten und studierten einige tausend Mosambikaner und Angolaner. Die meisten mussten nach der Vereinigung Deutschlands in ihre Heimat zurückkehren. Wer es geschafft hatte, bis 1993 in Deutschland zu bleiben, erhielt auf Beschluss der Innenministerkonferenz ein gesichertes Bleiberecht.
Als äußerlich besonders auffällige Minderheit ziehen Schwarzafrikaner besonders leicht Ablehnung und Aggressionen auf sich. Im Verhältnis zu ihrer geringen Zahl sind sie viel stärker als andere Gruppen Zielscheiben rechtsextremer Gewalt. Von den spektakulären Mordtaten der Skinheads waren mehrere Schwarzafrikaner betroffen.
Afrikaner treten außer an Universitäten oder in Orten mit größeren Asylbewerberwohnheimen meist als Einzelpersonen auf. Nur in den Millionenstädten gibt es eine nennenswerte Zahl von Vereinen. Außerhalb des Berufslebens bleiben sie im Wesentlichen anonym.
Knapp 300 000 Afrikaner leben in Deutschland. Die Zahl der afrikanischen Migranten und ihrer Kinder ist seit Jahren relativ konstant. Ihr Anteil an der ausländischen Bevölkerung liegt bei rund vier Prozent.
21 000 Personen aus Ghana bilden neben den Marokkanern und Tunesiern die größte. Rund 16 000 Personen kamen seit 1988 aus Nigeria. Auch aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Äthiopien leben zahlreiche Asylbewerber in Deutschland.
Auffallend ist das Missverhältnis zwischen Afrikanern und Afrikanerinnen: Auf 100 Männer kommen nur 48 Frauen. Nur bei Migranten aus der Republik Südafrika gibt es mit 127 Frauen auf 100 Männer einen Frauenüberschuss. Ansonsten sind die Männer um ein Mehrfaches in der Überzahl: bei Nigerianern und Ghanaern (jeweils 100 gegenüber 22 Frauen), bei Ägyptern (100 gegenüber 29 Frauen). Bei den Algeriern, Marokkanern und Tunesiern ist das Verhältnis etwa 2:1.
Unter den Schwarzafrikanern ist die Zahl der Kinder und der älteren Personen auffallend niedrig: etwa 75 Prozent sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Die meisten Afrikaner leben in Nordrhein-Westfalen (rund 94 000 Personen), in Hessen (52 000) und in Baden-Württemberg (27 000).
Recherchehinweise zum Thema:
Organisationen, die sich um diese Gruppen kümmern, und spezielle Anlaufstellen gibt es fast nur in den Ballungszentren. So gibt es in Frankfurt einen Bund Afrikanischer Vereine und eine ganze Reihe länderspezifischer Vereine.
Bund Afrikanischer Vereine, c/o Macar de Tong, Offenbacher Landstraße 27, 60599 Frankfurt/Main
Stadt Frankfurt, Amt für Multikulturelle Angelegenheiten, Barckhausstr. 1- 3, 60325 Frankfurt, Telefon 069-12- 38765