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Online-Lexikon Ausländer - Fremdenfeindlichkeit - Extremismus



Bildung

Eine möglichst gute Schul- und Berufsausbildung ist auch für Kinder und Jugendliche ausländischer Herkunft, die in Deutschland leben, eine wichtige Voraussetzung für die Integration in das Erwachsenenleben und in die Gesellschaft. Bis Mitte der 90er Jahre besuchten sie zunehmend allgemein bildende sowie berufliche Schulen, und auch beim Abschluss waren immer größere Erfolge zu verzeichnen. Danach verlangsamte sich diese Entwicklung, und es kam sogar zu Rückschritten, vor allem bei der beruflichen Ausbildung.

Bildungsbeteiligung deutlich geringer

Junge Ausländer im Alter von 15 bis unter 20 Jahren erreichten in Deutschland im Jahre 2001 eine Bildungsbeteiligung von gut 69 %. Sie war ist gegenüber 1997 um 6 Prozentpunkte höher, liegt aber deutlich unter der Beteiligung der gleichaltrigen Deutschen, die seit vielen Jahren stagniert bei knapp 93 % stagniert. Gegenüber dem Vorjahr gab es kaum noch Fortschritte - vor allem eine Folge des zurückgehenden Besuchs beruflicher Schulen sowie einer verringerten Teilnahme an einer beruflichen Ausbildung. Am Rückstand von Jugendlichen ausländischer Herkunft in dieser Altersgruppe gegenüber den deutschen Altersgenossen ändert sich somit fast nichts.

Die Bildungsbeteiligung der 20- bis unter 25-jährigen Erwachsenen ausländischer Herkunft lag im Jahre 2001 weiterhin mit 14 % weit unter der der Deutschen in dieser Altersklasse (41 %). Seit 1997 ist der Abstand sogar größer geworden: Deutschen gelang es in dieser Periode mehr als den Ausländern, die Beteiligung vor allem beim Hochschulbesuch, aber auch bei der beruflichen Ausbildung zu erhöhen.
Die Beteiligung der 25- bis unter 30-jährigen Ausländer war mit 3 % gering; bei den gleichaltrigen Deutschen lag fünfmal höher. Dieser Unterschied hat im Vergleich zu 1997 ebenfalls zugenommen, weil das Gefälle zulasten der Ausländer beim Besuch der Hochschulen und der beruflichen Schulen größer wurde. Nur bei den allgemein bildenden Schulen, an denen Schulabschlüsse nachgeholt werden können, war die Beteiligung der Erwachsenen ausländischer Herkunft ebenso hoch wie die der gleichaltrigen Deutschen.

Weniger erfolgreiche Abschlüsse

927 000 Schüler verließen im Jahre 2001 die allgemein bildenden Schulen in Deutschland. Darunter waren 74 000 junge Ausländer - ein Anteil von 8 %. Rund 15 000 dieser ausländischen Schulabgänger erreichten keinen Hauptschulabschluss, darunter deutlich mehr Männer als Frauen. Insgesamt entsprach dies einem Fünftel der ausländischen Schulentlassenen, während es bei den deutschen nur ein knappes Zehntel war. Im Vergleich zu 1996 verließen mehr ausländische Schüler die allgemein bildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss. Damit wurde eine an den allgemein bildenden Schulen über Jahrzehnte währende Entwicklung unterbrochen, die bei ausländischen Jugendlichen zu einer immer kleineren Quote von Abgängern ohne Hauptschulabschluss geführt hatte. Weniger erfolgreich waren zuletzt hauptsächlich die männlichen jungen Ausländer.

Gut 59 000 ausländische Schüler schlossen die allgemein bildenden Schulen erfolgreich ab. Die Hälfte erreichte einen Hauptschulabschluss, gut ein Drittel einen mittleren Abschluss und mehr als ein Achtel die Hochschulreife. Der Rückstand gegenüber den deutschen Abgängern blieb allerdings groß. Bei jungen Deutschen hatte die Gruppe mit Hauptschulabschluss nur einen halb so großen Anteil wie die bei jungen Ausländern. Umgekehrt entfielen bei deutschen Schulentlassenen weit höhere Anteile auf einen mittleren Abschluss (46 %) und die Hochschulreife (28 %). Bei den Schulabgängern ausländischer Herkunft wie auch bei deutschen erzielten die Mädchen mehr höherwertige Abschlüsse von Frauen als die Jungen.

Der im Vergleich zum Jahr 2000 geringfügig erhöhte Schul- und Hochschulbesuch junger Ausländer ging ausschließlich auf das Konto der Mädchen, die näher an die Bildungsbeteiligung der ausländischen Männer herangekommen sind.

Trotz des Rückstands der ausländischen Jugendlichen bei den höherwertigen Abschlüssen ist bei ihnen ein Trend hin zu einem mittleren Abschluss oder zur Hochschulreife unverkennbar. Die anteiligen Veränderungen bei diesen Abschlüssen waren von 1996 bis 2001 bei den Ausländern stärker ausgeprägt als bei den Deutschen. Offensichtlich wird in der ausländischen Bevölkerung die Bedeutung beider Abschlüsse für eine berufliche Qualifizierung und ein Studium zunehmend erkannt. Die hier zu beobachtende geschlechtsspezifische Diskrepanz - deutlich besseres Abschneiden der Frauen - ist weiterhin gegeben.

Schlechtere Ergebnisse an den Berufsschulen

Von den beruflichen Schulen wurden 2001 insgesamt fast 1,1 Mill. Schüler entlassen, darunter 92 000 Schüler ausländischer Herkunft. Nahezu zwei Fünftel der jungen Ausländer hatten keinen Abschluss; bei jungen Deutschen waren es dagegen nur halb so viele. Die Erfolgsquote der ausländischen Abgänger war bei den beruflichen Abschlüssen zwar etwas günstiger als bei den Abschlüssen insgesamt, doch ist sie insbesondere bei einigen berufsorientierten und berufsvorbereitenden schulischen Bildungsgängen noch viel zu niedrig. So kann das Ziel, sich beruflich zu qualifizieren, kaum realisiert werden, wenn bereits in diesen schulischen Lehrgängen mehr als die Hälfte der ausländischen Teilnehmer keinen Abschluss erhält. Dies gilt vor allem für männliche Abgänger.

Die Schulabgänger ausländischer Herkunft schlossen die beruflichen Schulen im Jahre 2001 im Vergleich zu 1996 mit deutlich schlechteren Ergebnissen ab. Die Erfolgsquote sank bei den jungen Ausländern um reichlich 5 Prozentpunkte und damit stärker als bei den jungen Ausländerinnen (4 Prozentpunkte). So erzielten zuletzt nur noch 59 % der männlichen Schulabgänger einen Abschluss, aber immerhin noch 66 % der weiblichen. Die deutschen Schulabgänger beruflicher Schulen waren am Ende dieser Periode ebenfalls etwas weniger erfolgreich als am Anfang; allerdings lag die Abschlussquote weiterhin auf einem deutlich höheren Niveau.

Modellrechnung 2025

In Deutschland wird es im Jahre 2025 an den allgemein bildenden Schulen insgesamt nur noch 730 000 Schulabgänger geben; dies sind rund 80 % des heutigen Niveaus. Vor allem die Wirtschaft interessiert sich angesichts der Bevölkerungsentwicklung sehr dafür, wie sich das Potenzial dieser Bevölkerungsgruppe in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. Dazu hat das Deutsche Institut der Wirtschaft eine Modellrechnung vorgelegt (DIW-Wochenbericht 39/03: Bildungsbeteiligung von Ausländern). Sie zeigt, dass die für den Schulbesuch und die berufliche Ausbildung wichtige Gruppe der 15- bis unter 30-Jährigen in Deutschland bis 2025 um 18 % auf 11,6 Millionen schrumpfen wird. Etwa jeder Vierte in dieser Altersgruppe wird dann ausländischer Herkunft sein. Ein Teil dieser Jugendlichen wird dann die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

„Bei einem nach 2020 drastisch verringerten Arbeitskräfteangebot dürfte die Konkurrenz um diese jüngere Generation zunehmen. Wird berücksichtigt, dass dann etwa jeder fünfte Schulabgänger ausländischer Herkunft sein wird, wird die Aufgabe einer besseren Bildungsbeteiligung und Ausbildung der jungen Ausländer deutlich. Angesichts der absehbaren Alterung der Deutschen kann eine leistungsfähige Volkswirtschaft und offene Gesellschaft nur erhalten werden, wenn die jungen Ausländer an Schulen und in der Berufsausbildung verstärkt gefördert werden. Damit wird für diese Schulabgänger, die dann bessere schulische und berufliche Abschlüsse erreichen können, auch der Zugang zu qualifizierteren Arbeitsplätzen verbessert. Dies sollte auch im Interesse der Betriebe sein.“

Auch wenn, wie in der Modellrechnung angenommen, die Erfolgsquote der ausländischen Schulabgänger von allgemein bildenden Schulen gegenüber dem Basisjahr um 6 Prozentpunkte steigen und damit der Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss auf 14 % sinken wird, wird der Abstand zur Beteiligung und zum Erfolg der Deutschen nahezu gleich bleiben. Dies gilt auch für die beruflichen Schulen. Hier werden 2025 nach dieser Vorausberechnung fast drei Viertel der ausländischen Abgänger einen Abschluss erreichen gegenüber nur gut drei Fünfteln im Ausgangsjahr.

Fast 125 000 Jugendliche ausländischer Herkunft werden die allgemein bildenden Schulen dann mit Erfolg verlassen. Das sind erheblich mehr als im Ausgangsjahr der Berechnungen, weil sich neben dem demographisch bedingten Anstieg der Zahl der ausländischen Schulabgänger die unterstellte Entwicklung bei Bildungsbeteiligung und Schulerfolg positiv auswirkt. Dann werden auch relativ mehr junge Ausländer als zuvor höherwertige Abschlüsse erreichen, und zwar fast zwei Fünftel einen mittleren Abschluss und 14 % die Hochschulreife. Das beträchtliche Gefälle zulasten ausländischer Schulabgänger bei den weiterführenden Abschlüssen wird sich jedoch nur wenig verringern: Bei den mittleren Abschlüssen wird der Rückstand gegenüber den deutschen Abgängern etwas kleiner, nicht aber bei der Hochschulreife.

Die Zahl der Abgänger beruflicher Schulen wird bis zum Jahr 2025 ebenfalls um rund 20 % zurückgehen (von 1,1 Mill. auf 0,9 Mill.), wobei die Zahl der ausländischen Schulabgänger dann voraussichtlich 157 000 betragen wird (+70 %). Damit steigt ihr Anteil an den Abgängern beruflicher Schulen insgesamt auf knapp 18 %. Von den ausländischen Abgängern werden 113 000 einen Abschluss erreichen. Im Vergleich zum Basisjahr wird sich die Zahl der erfolgreichen Schulentlassenen ausländischer Herkunft verdoppeln. Damit werden annahmegemäß etwas mehr als sieben Zehntel der Abgänger ausländischer Herkunft einen Abschluss erhalten. Auch wenn sich der Anteil ausländischer Schulabgänger ohne Abschluss verringern wird, bleibt er wesentlich höher als der der deutschen Abgänger.

Im selben Jahr werden 95 000 junge Ausländer von beruflichen Schulen abgehen, die allein oder in Zusammenarbeit mit Betrieben und Ausbildungswerkstätten einen beruflichen Abschluss anbieten. Darunter werden sich 71 000 erfolgreiche Abgänger befinden - eine Erfolgsquote von 74 %. Da sich jedoch auch bei deutschen Abgängern die Erfolgsquote erhöhen wird, bleibt der Rückstand der Abgänger ausländischer Herkunft gleich groß.
Im Zeitraum der Vorausberechnung werden voraussichtlich von den allgemein bildenden Schulen rund 480 000 und von den beruflichen Schulen rund 1 Mill. Jugendliche und junge Erwachsene ausländischer Herkunft ohne Abschluss abgehen.

BLK will bessere Bildungsberatung für Migranten

Die BLK hat am 29. März 2004 einen Bericht verabschiedet, der auf eine Verbesserung der Bildungsberatung von Migranten über alle Lebens- und Lernphasen hinweg abzielt. Die Berichtsvorschläge umfassen fünf Bereiche, bei denen – vorbehaltlich neuer Regelungen im Zuwanderungsgesetz – die Aktivitäten zu verstärken sind.
Die Maßnahmen umfassen die frühkindliche Lernphase, in der es wichtig ist, die Eltern entsprechend zu informieren, sowie die Bildungsberatung im Elementarbereich, in den allgemeinbildenden Schulen, in der Berufsorientierung und in der Berufsausbildung. Zudem wird die Bildungsberatung für Migranten im Rahmen der beruflichen Integration und der allgemeinen Weiterbildung bis hin zur besseren Koordinierung der verfügbaren Bildungsberatung für erwachsene Spätaussiedler und Ausländer thematisiert. Die Empfehlungen sind also nicht auf Kinder und Jugendliche begrenzt, sondern betonen ebenso die Notwendigkeit von Bildungsberatung für Erwachsene. Eine erfolgreiche Bildungsberatung, so die BLK, kann deshalb nicht allein Angelegenheit der Schule sein - alle gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen seien gefordert.
Die Vorschläge des Berichts sollen in die Umsetzung des BLK-Programms "Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund" einfließen, das im Herbst 2004 startet.

Recherchehinweise zum Thema:
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Mohrenstr. 62, 10117 Berlin, Tel.: 030 / 20655-1835 oder 01888-555-1835, Fax: 030 / 20655-4512 oder 01888-555-4512, e-mail: as@bmfsfj.bund.de, Internet: http://www.integrationsbeauftragte.de

Literaturhinweise zum Thema:
Johannes Rau: Integration und Qualifikation gehören zusammen. In: Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, Heft 2. Bonn 2002, S. 5 ff.
Regina T. Riphahn: Cohort Effects in the Educational Attainment of Second Generation Immigrants in Germany: An Analysis of Census Data. Basel 2002
Regina T. Riphahn und Oliver Serfling: Neue Evidenz zum Schulerfolg von Zuwanderern der zweiten Generation in Deutschland. In: Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung des DIW Berlin, Jg. 71, Heft 2/2002, S. 230 ff.