Das "Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt" wurde auf Initiative der Bundesregierung gegründet. Offiziell wurde es am 23. Mai 2000, dem Tag des Grundgesetzes, unter dem Motto "Hinschauen - Handeln - Helfen" aus der Taufe gehoben. Über 900 Gruppen, Schulklassen, Vereine, lokale Initiativen und Einzelpersonen haben sich seitdem zur Mitarbeit bereit erklärt. Sie wollen Ideen und Vorschläge einbringen oder auf laufende Aktivitäten hinweisen.
Die im Jahr 2001 angelaufenen Programme der Bundesregierung zur Bekämpfung des Rechtsextremismus, "Xenos" und "Civitas" sowie "Jugend für Demokratie und Toleranz" stehen unter dem Dach des Bündnisses. Ziel ist die Prävention durch Unterstützung und Förderung dezentraler Projekte, Beratungsstellen, mobiler Beratungsteams, pädagogischer und sozialer Initiativen. Ihrer Vernetzung dient auch ein "Lexikon der Initiativen" auf der Website des Bündnisses.
Das Bündnis sammelt und sichtet Vorhaben und Vorschläge und initiiert auch selbst modellhafte Projekte. Es dokumentiert Beispiele positiven Engagements. Hierzu hat es zur Sammlung von Best-Practice-Modellen aufgerufen. An dieser Ausschreibung haben sich 270 Projekte beteiligt, 40 wurden mit Preisen im Gesamtwert von 200.000 Mark ausgezeichnet.
Kooperationen
Der
Victor-Klemperer-Jugendwettbewerb wird gemeinsam mit der Dresdner Bank veranstaltet. 2001 stand er unter dem Titel "Kreativ für Demokratie und Toleranz" und wollte vor allem Jugendliche ansprechen, die sich bisher wenig mit dem Thema auseinandergesetzt hatten. 20.000 junge Leute reichten Beiträge ein (von Aufsätzen über Plakaten bis zu Video-, Audio- und Internet-Dokumentationen von Aktionen).
Am Victor-Klemperer-Wettbewerb 2002 unter dem Motto "WIR gewinnt - aktiv für bürgerschaftliches Engagement" war auch der Deutsche Fußballbund beteiligt. Bundesinnenminister Otto Schily und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, haben am 22. Mai 2002 die diesjährigen Preisträger des Victor-Klemperer-Jugendwettbewerbs in der Dresdner Frauenkirche geehrt. Unter dem Motto "Wir gewinnt - aktiv für bürgerschaftliches Engagement" wurden junge Menschen zu sozialem, kulturellem und politischem Engagement aufgerufen. Die Jugendlichen beschrieben in ihren Einsendungen eine eigene Aktion oder berichteten über den freiwilligen Einsatz von Bürgerinnen und Bürgern in ihrer Gemeinde. Die Beiträge unterstreichen das Motto: Demokratie darf sich nicht auf die Wahltage beschränken, sondern muss gelebter Alltag sein. Nähere Informationen zum Wettbewerb und zu den Preisträgern, finden sich auf der eigenen Homepage
http://www.victor-klemperer-wettbewerb.de.
Eine bedeutende Kooperation ist das Bündnis mit dem
Deutschen Volkshochschulverband eingegangen. Örtliche Volkshochschulen sollen motiviert werden, verstärkt die Leitgedanken des Bündnisses in ihrem Bildungsprogramm aufgreifen. Fast zweihundert Volkshochschulen arbeiten inzwischen mit dem "Bündnis" zusammen.
In der Bauwirtschaft versuchen rechtsextreme Verführer, sich die schwierige wirtschaftliche Lage und hohe Arbeitslosigkeit der Branche zunutze zu machen und ausländische Bauarbeiter als Sündenböcke abzustempeln. Deshalb wollen beide Tarifpartner gegen Ausländerfeindlichkeit vorgehen. Mit Unterstützung des Bündnisses legt die Industriegewerkschaft Bauen - Agrar - Umwelt im Januar 2002 Materialien für den Berufsschulunterricht vor, um die Auszubildenden gegen fremdenfeindliche Parolen zu sensibilisieren. Parallel widmet sich die Unternehmerseite dem Thema: in den Überbetrieblichen Ausbildungszentren wird der Austausch zwischen Auszubildenden verschiedener Nationalitäten erweitert; mit der Veranstaltungsform "Werkstattcafe" werden modellhaft im östlichsten Ausbildungszentrum in Frankfurt/Oder gesellschaftspolitische Fragen angesprochen.
Schließlich will das Bündnis Ausbildungsprogramme speziell für solche Berufsgruppen verbessern, die mit für Gewalt und Intoleranz "anfälligen" Gruppen konfrontiert sind. Hierzu zählt der Fortbildungs-Studiengang
"Konfliktmanagement 2001", der Fachhochschule Potsdam, in dem Polizisten, Lehrer und Sozialpädagogen gemeinsam geschult und Modelle zum Konfliktmanagement entwickelt werden.
Alltägliche Hilfen
Das Bündnis bietet darüber hinaus
- Beratungen für Gruppen, die sich am Ort allein gelassen fühlen;
- Hilfen für Schüler, die beispielsweise ein Konzert gegen Rechts organisieren wollen oder Informationsanfragen haben;
- Informations- und Diskussionsveranstaltungen;
- Vernetzung von Projekten, die am gleichen Thema arbeiten;
- Besuche bei lokalen Projekten.
Jährliche Präsentation
Alljährlich am 23. Mai findet eine zentrale Präsentation statt. Der 23. Mai 2001 stand unter dem Motto "Jugend für Demokratie und Toleranz". Junge Leute aus der gesamten Bundesrepublik nahmen an der zentralen Veranstaltung im Roten Rathaus in Berlin teil. Bundesminister des Innern Otto Schily und Bundesministerin der Justiz Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (in der Bundesregierung federführend für das Bündnis) zeichneten vier beispielhafte Initiativen als "Botschafter für Toleranz" aus. Der "Staatsakt zum 23. Mai 2002 war wiederum eine Kombination von Diskussionsforum und Verleihung des Preises des "Botschafters der Toleranz" durch die Minister (Innen- und Justizressort). Die Preisträger stammen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (z.B. Kirche, Sport, Schule, Jugendarbeit) und decken durch ihre Arbeitsschwerpunkte, Themen und Methoden ein vielfältiges Spektrum ab (z.B. Integration von Migranten, Gewaltprävention; Aktionen auf der Straße oder Aktivitäten im Internet). Die Auswahl der Preisträger enthält keine Rangfolge. Die "Botschafter der Toleranz" erhalten jeweils 5.000 Euro zur Unterstützung ihrer weiteren Arbeit.
Preisträger 2002:
"Jumawa" - eine Jugendgruppe aus Sebnitz wurde ausgezeichnet, weil es nach dem "Fall Joseph" in dieser Stadt besonders schwer war und ist, rechtsextreme Gewalt öffentlich an- und auszusprechen. Die Jugendlichen von "Jumawa" wollen, dass ihre Stadt nicht die Augen vor den rechtsextremistischen Taten verschließt. Sie suchen das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern, mit dem Bürgermeister und sprechen die Kirchengemeinde zur Unterstützung an. Immer mehr Jugendliche aus Sebnitz machen mit. Die junge Gruppe wird mittlerweile in der Stadt ernst genommen.
Kontakt: "Jumawa" c/o Holger Bartz, Telefon 0174-3402876, Schandauer Str. 10, 01855 Sebnitz
"BAFF - "Bündnis aktiver Fußballfans"" wurde wegen seiner langjährigen Arbeit gegen Gewalt in Fußballstadien und ihrem Umfeld. BAFF gibt es seit 1993. Das Bündnis hat mittlerweile über 7.000 Mitglieder - 40 Gruppen (Fan-Initiativen, -Projekte und -Magazine) und über 100 Einzelmitglieder. Seit seiner Gründung versucht BAFF, die zuständigen Institutionen, Vereine und Fankurven für das Problem von Diskriminierung, Rassismus und (rechter) Gewalt im Fußball zu sensibilisieren. Es kooperiert mit anderen europäischen Initiativen im Netzwerk FARE (Football Against Racism in Europe), das von der UEFA im Jahr 2001 mit den "Charity Award" ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung soll - auch im Hinblick auf die Fußball-WM 2006 in Deutschland - zugleich andere Initiativen ermutigen, durch Aufklärung, Prävention und Freundschaftsturniere mit Jugendlichen und durch Mediationsprojekte Diskriminierung und Gewalt im Fußball abzubauen.
Kontakt: Gerd Dembowski, Telefon 030-2935 2835, E-Mail:
info@aktive-fans.de, Internet:
http://www.aktive-fans.de
"Merhaba" ist ein Angebot der katholischen Thomas-Morus-Akademie an türkische Oberschülerinnen und Studentinnen. An der Akademie treffen die Frauen regelmäßig zusammen, tauschen Erfahrungen und Biografien und organisieren Seminare. Die Themen der Seminare reichen vom eher persönlich-biographischen Berichten und Erfahrungen über Fragen der Berufs- und Karriereorientierung bis hin zu politischen und kulturellen Themen. Zu Gast bei den Seminaren sind oft Migranten türkischer Herkunft, die bereits Karriere gemacht haben: Schauspieler, Schriftsteller oder Unternehmerinnen. Von diesen Begegnungen profitieren die Studentinnen.
Kontakt: Thomas-Morus-Akademie Bensberg, Herr Taxacher, Overather Straße 51-53, Telefon 02204-408472, Fax 02204-408420, E-Mail:
akademie@tma-bensberg.de, Internet:
http://www.tma-bensberg.de
"naiin" e.V. (no abuse in internet) und den
Verein gegen Missbrauch im Internet und Initiative "Zusammen gegen Rechts im Internet" (ZgR)
Eine Auszeichnung der "Botschafter der Toleranz" geht gleichzeitig an zwei Initiativen, die zwar eigenständig arbeiten, jedoch in einer vernetzten Welt eng miteinander kooperieren. Sie engagieren sich gegen Rechtsextremismus und Gewalt im Internet. Ihr gemeinsames Ziel ist, rechtsextremistische Seiten, Kinderpornographie sowie Aufrufe zu
Gewalt, Verbrechen, Rassen- und Minderheitenhass im Internet ausfindig zu machen, zu beobachten und zu verhindern. "naiin" wurde im August 2000 gegründet. Dem Verein gehören Vertreter der Internetindustrie und Verbände sowie Privatpersonen an. "Zusammen
gegen rechts" - ein Mitglied von "naiin" - ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen und wird inzwischen von AOL unterstützt. "Zgr" überprüft die beanstandeten Websites auf strafrechtlich relevante Aussagen und stellt die Identität des Betreibers und Providers fest. Bei Verstößen gegen das Strafrecht wird der Provider informiert und um Sperrung der Seite gebeten; erfolgt dies nicht, wird eine Strafanzeige erstattet. Nach eigenen Aussagen konnte Zgr im Jahr 2001 das Abschalten von 249 URLs (einschließlich Weiterleitungen, Subdomains u.ä.) erreichen.
Kontakt: Martin Regenbrecht, Geschäftsführung naiin e.V., Oranienburger Straße 46/47, 10117 Berlin, Telefon 030-27596888, E-Mail:
regenbrecht@naiin.org, Internet:
http://www.naiin.org/
und
Email:
presse@zusammengegenrechts.de, Internet:
http://www.zusammengegenrechts.de, Telefon 0177 - 4718520 (Dennis Grabowski)
Schülergruppe Sondershausen - diese Gruppe 17- und 18-jähriger Schülerinnen und Schüler engagiert sich ohne festgefügte Strukturen zu verschiedenen aktuellen politischen Themen. Sie tun dies v.a. in der Umwelt- und in der
Friedenspolitik und im Kampf gegen Rechtsextremismus, wobei das letztere derzeit einen Schwerpunkt bildet. Sie setzen sich für gewaltlose Konfliktlösungen auf allen Ebenen ein. Das betrifft sowohl Konflikte unter Schülern, zwischen Lehrern und Schülern, aber auch politische Konflikte. Die Schüler arbeiten als eigenständige Gruppe im Bündnis gegen Rechte Gewalt, Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit im Kyffhäuserkreis mit. In diesem Rahmen haben sie die Proteste gegen die NPD-Demonstration in Sondershausen am 19.
Januar 2002 mit organisiert oder den Ostermarsch am 30. März 2002 für Menschenwürde und Toleranz mit vorbereitet.
Organisation
Die Arbeit des "Bündnisses für Demokratie und Toleranz" wird von einem 20köpfigen Beirat gestaltet. Darin sitzen Vertreter von Regierung und Parlament, von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft, jüdischer Gemeinde und sozialen Organisationen sowie die Ausländerbeauftragte des Bundes und des Berliner Senats. Prominenter Persönlichkeiten steht dem Bündnis als Unterstützer zur Seite, um den Initiativen und Organisationen in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen und sich bei bestimmten Anlässen zu Wort zu melden.